„Herrn Heuvels treten Thränen in die Augen? Er weint?“ fragte Adolph mit freudiger Ueber⸗ raſchung.„Nicht aus Betrübniß?“
„Nein, aus Rührung, aus Empfindung. Seine Tochter hat auch eine übermenſchliche Aufopferung gezeigt, und dieß verkennt Heuvels nicht. Es ſcheint mir, daß er ſeit dieſer Krankheit ſeine Tochter bis zum Wahnſinn liebt.“
„Ein unfehlbares Zeichen, daß er in Geneſung begriffen iſt!“ rief Adolph.
„Wie meinen Sie das?“ murmelte der Chirurg verwundert.
„Sie wiſſen es wohl ſelbſt, Herr Van Hoof! Der Menſch iſt niemals gefühlvoller, als wenn er, nach ernſtlichem Krankſein, zur Geſundheit zurückkehrt. Wie verſtockt auch ſein Gemüth ſei, er wird dann weichherzig, und manchmal ſo ſehr, daß die geringſte Erregung der Liebe, der Freude oder des Mitleids ihm Thränen aus den Augen preßt.“
„Daran dachte ich nicht; Sie haben Recht, Herr Valkiers. Ich habe es in der That oft bemerkt . Um von etwas Anderem zu ſprechen, glauben Sie, daß wir mit den gleichen Heilmitteln noch immer fortfahren ſollen?“
„Es iſt kein Grund zur Aenderung, dünkt mir, vorhanden, Sie müßten denn darüber abweichender Anſicht ſein, Collega. Allein es würde gut ſein, den Kranken aus dem Bette aufſtehen zu laſſen und allmälig an Bewegung zu gewöhnen. Man muß auch ſeine Nahrung immerfort verſtärken, und ihm wenig auf einmal, aber ſehr oft zu eſſen geben.“ Der Chirurg ſtand von ſeinem Stuhl auf und


