Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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Die Unbekannte ſah ſich forſchend um, wie um ſich zu verſichern,

boob ſie auch allein wären, dann beugte ſie das Knie, faltete die

Hände und rief mit dem Ausdruck höchſter Verzweiflung:

„Edmond, Sie werden meinen Sohn nicht tödten.“

Der Graf trat einen Schritt zurück, ſtieß einen ſchwachen Schrei aus und ließ die Waffe fallen, welche er noch in der Hand hielt.

„Welchen Namen ſprechen Sie aus, Frau von Mocerf!“ ſagte er..

„Den Ihrigen“, rief ſie, ihren Schleier zurückſchlagend,„den Ihrigen, den ich allein nicht vergeſſen habe. Edmond, nicht Frau v. Morcerf kommt zu Ihnen, ſondern Mercedes.“

„Mereedes iſt todt, gnädige Frau“, ſagte Monte⸗Chriſto,„und ich kenne Niemand dieſes Namens mehr.“

„Mercedes lebt, mein Herr, und hat Sie nie vergeſſen, denn ſie allein erkannte Sie, ſobald ſie Sie geſehen, und noch vorher an Ihrer Stimme, Edmond, bei dem bloßen Klange Ihrer Stimme. O, ſeitdem folgt ſie Ihnen, Schritt für Schritt, ſie überwacht, ſie fürchtet Sie, und hatte nicht nöthig, die Hand zu ſuchen, welche Herrn von Morcerf vernichtend traf.“

„Fernand, wollen Sie ſagen, gnädige Frau“, entgegnete Monte⸗Chriſto mit bitterer Ironie;„da wir einmal dabei ſind, uns unſerer Namen zu erinnern, dürfen wir Niemand vergeſſen.“

Und der Graf hatte den Namen Fernand mit ſolchem Haß ausgeſprochen, daß Mercedes vor Entſetzen am ganzen Körper zitterte.

„Sie ſehen, Edmond, daß ich mich nicht irrte,“ ſagte ſie, „und daß ich wohl Urſache hatte, zu ſagen: Schonen Sie meinen Sohn!“

„Und wer ſagte Ihnen, gnädige Frau, daß ich etwas mit ihm vorhabe?“

„Mein Gott, Niemand! aber eine Mutter ſieht für zwei. Ich errieth Alles, folgte ihm in die Oper und ſah unerkannt Alles.“

„O wenn Sie Alles ſahen, haben Sie auch geſehen, daß Fernands Sohn mich öffentlich beſchimpft hat“, ſagte Monte⸗ Chriſto mit fürchterlicher Ruhe.

„O Erbarmen! Mitleid!“