Teil eines Werkes 
2 (1870)
Entstehung
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XXV. Die Beſitznahme.

Die Strahlen der Maiſonne fielen ſenkrecht und ſo belebend und erwärmend auf die Felſen, daß dieſelben ſelbſt dieſe Wärme zu genießen ſchienen. Tauſende von Grillen zirpten im Gebüſche; die Blätter der Myrthen⸗ und Olivenbäume gaben zitternd einen faſt metalliſchen Ton von ſich. Bei jedem Schritte, den Edmond auf den durchwärmten Granit that, verſcheuchte er die wie Smaragd glänzenden Eidechſen. Auf den flacheren Hügeln der Inſeln ſah er die wilden Ziegen ſpringen, um derentwillen zuweilen Jäger die⸗ ſelben beſuchen; kurz die Inſel war bewohnt, belebt, und dennoch fühlte Edmond ſich auf derſelben nur unter dem Auge und der Hand Gottes. Er empfand eine gewiſſe mit Furcht gemiſchte Rührung. Es war jene Schüchternheit, die ſelbſt in der Wüſte, am hellen Tage ſich des beobachtenden Auges eines höheren, mächtigeren Weſens bewußt iſt.

Dieſe Empfindung wurde ſo mächtig in Edmond, daß er in dem Augenblicke, wo er ſein Werk hatte beginnen wollen, anhielt, ſeine Hacke zur Seite legte, ſeine Büchſe nahm, nochmals den höchſten Felſen der Inſel erkletterte und von da einen Blick in die Unermeßlichkeit warf, die ihn umgab. Aber, wir müſſen es geſtehen, was ſeine Aufmerkſamkeit feſſelte, war nicht das poetiſche Corſika, wovon er ſogar die Häuſer unterſcheiden konnte, nicht das etwas entferntere, ihm noch ziemlich unbekannte Sardinien, nicht die Inſel Elba mit ihren grandioſen Erinnerungen, nicht endlich dieſer unmerkliche Streif, der ſich am Horizont ausdehnte und an welchem das geübte Seemannsauge genau die Stelle entdeckte, wo das prächtige, ſtolze Genua, wo das Handel treibende Livorno ſich erhebt; nein, es war die Brigantine, die bei dem erſten Tagesſtrahl, und die Tartane,