1. Mädchen am Brunnen.
Am Samſtag Abend hörte man im Hauſe des rothen Schneiderle's S zu Stube ſingen und trällern, Thüren wurden
auf⸗ und zuge⸗ ſchlagen, Fen⸗ ſter aufgeſperrt, Stühle und Bänke gerückt, man hörte den Kehrbeſen wal⸗ ten; aber aus Allem hervor tönte der Ge⸗ ſang einer klang⸗ vollen Mäd⸗ chenſtimme, Trepp auf und Trepp ab. Kaum war ein Lied geendigt, begann ein anderes, luſtig und traurig, Alles durch einander. Endlich kam die Sängerin zum Vorſchein, es war ein ſtämmiges, aber mit dem ſchönſten Ebenmaaß gebautes Mädchen. Das grauwollene geſtrickte Wämschen ließ eng anliegend die runden, vollen Formen, die ſanften Wölbungen des Buſens beſtimmt und zart hervortreten, die Schürze war halb zurückgeſteckt und bildete einen ſpitzen Winkel. Mit dem Melkkübel in der Hand ging


