höhlen? Hu! Sie verſprechen uns einen grauen⸗
haften Realismus“, fiel Graf Amadeus ein.
„Wozu leſen Sie Ihren Schiller, was nützt Ihnen das klaſſiſche Studium, wenn Sie nicht einmal eine weiſe Lebensregel daraus ziehen? Die Wahrheit iſt das verſchleierte Bild von Sais, der Menſch ver⸗ trägt ihren Anblick nicht. Sie iſt eine Gottheit und ſchon die uralte Mythe erzählt uns, wie Semele ihr Gelüſte, Zeus in ſeiner wahren Geſtalt zu ſehen, büßen mußte. Die Blitze verzehrten die Unvorſichtige, ein Beweis, daß wir des Blitzableiters einmal nicht
entrathen können.“
Schon während Ulrich's leidenſchaftlicher Rede war Seibold immer unruhiger geworden, kaum vermochte er es, des Grafen ironiſche Worte, die wie ein ab⸗ kühlender Tropfenfall hinterher kamen, nicht zu unter⸗ brechen. Er leerte mit einem Schlucke ſein Glas nnd ſchob es gewaltſam von ſich, um gleichſam dem Raum zu ſchaffen, was er, der ſonſt ziemlich Schweigſame, dies⸗ mal zu ſagen hatte.
„Und warum nicht?“ ſagte er, das lange Haar
1 mit einem Wurfe ſeines Kopfes zurückſchleudernd.
„Weil wir zur Mattherzigkeit, zur Sklaverei und Lüge ſyſtematiſch erzogen werden. Weil wir, ſtatt wie
unſere Altvordern den geſtählten Körper jedweder
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