Teil eines Werkes 
2. Bd. (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

denen der beiden Mädchen hatten. Auf ihrem, wie auf dem ſüßen Antlitze des jüngeren, kaum erſt zur Jungfrau erblühten Kindes malte ſich ganz deutlich eine ziemlich große Beſorgniß, deren Grund die angſt⸗ voll auf das ungeſtüme und doch ſo prächtige Treiben der Wellen gerichteten Blicke und die an der Brüſtung feſtgeklammerten Händchen leicht errathen ließen. Völlig unberührt davon ſcheint die ältere Schweſter, tiefer Ernſt liegt auf ihren Zügen, und das große dunkle Auge ſieht träumeriſch, beinahe ſchmerzlich, gerade aus in die Ferne. Die Röthe auf den Wangen iſt nicht die friſche Farbe des munter kreiſenden jugendlichen Blutes, nur der Wind hatte ſie hingehaucht, die ge⸗ ſunde kräftige Luft dieſer majeſtätiſchen Berge.

Der Reiſegefährte der Damen hat vielleicht noch nicht ſechzig Jahre, aber er ſieht alt aus. Das hell blonde Haar, das nicht grau werden konnte, hat eine weißfahle Färbung angenommen. Die Haltung iſt ge⸗ bückt, man ſieht es der Geſtalt an, daß ſie gewöhnt iſt, am Schreibtiſche zu ſitzen, und ſchreibt nicht ſelbſt in dieſem Augenblicke der mit einem großen ganz gol⸗ denen Siegelringe geſchmückte Zeigefinger mechaniſch allerlei Runen und Hieroglyphen auf das ſpitzige Knie?! Es iſt ein merkwürdiges Antlitz, das ſich ſo eifrig den Damen zuwendet. Zwiſchen den ungeheueren weit vom