„Als ob es mir um Menſchen zu thun wäre! Aber natürlich, wenn Du nur Deine Unterhaltung findeſt, dann iſt es gleichgültig, ob ich all den langweiligen, bornirten Alltagsgeſichtern gegenüber meinen Appetit einbüße oder dem rauhen Winter aus dem Rhonethal einen Rheumatismus verdanke, den ich nicht mehr aus den Gliedern bringe.“
„Montreux wird ja eigens ſeines milden Klimas wegen aufgeſucht.“
„Lächerlich!“ fuhr Streicher, der ſich durch dieſen neuen Einwurf nicht irre machen ließ, eifrig fort. „Deshalb kann es doch kalte Winde aus dem Rhone⸗ thal geben. Gletſcherwinde müſſen kalt ſein und dann um ſo ſchlimmer, wenn ſie unmittelbar auf unerträg⸗ liche Wärme kommen. Raſcher Temperaturwechſel iſt ſtets ſchädlich. Zudem greift dieſe abſcheuliche Brut⸗ ofenwärme meine Kopfnerven an. Aber darnach fragſt Du nicht. Egoiſten denken immer nur an ſich ſelber.“
„Höre, lieber Freund“, entgegnete Gerhard ernſt⸗ lich erzürnt,„komm mir nicht immer mit dem Egois⸗ mus, wenn wir uns vertragen ſollen. Jeder Menſch hat ſein Loth davon— ich gewiß kein größeres als Du.“
„So! Darf ich bitten, in welcher Hinſicht habe ich denn ſchon meiner Selbſtſucht die Zügel ſchließen laſſen?


