3
Schuhe und der von Schweiß und Regen arg zugerichtete
Hut zeigten von einer cyniſchen Gleichgültigkeit gegen das 1 Aeußere. Das ſchmale Geſicht trug eine ſtark gallige Färbung, deren Reiz durch das helle Roth des Haares und Bartes nicht ſonderlich gewann. Der letztere zog ſich um Mund und Kinn und endete unter dieſem wie ein breit abgeſchnittener Reisbeſen. Das Intereſ⸗ ſanteſte an dem Manne waren die Augen, deren tief⸗ grüne Pupille zu Zeiten ſehr groß und leuchtend er⸗ ſchien; ihr Blick verrieth ſcharfen Verſtand, wiewohl er ein wenig unruhig umherfuhr und gleich den eckigen und haſtigen Bewegungen ſeiner langen Arme und der
ebenſo geformten, ſonnverbrannten Hände auf eine gewiſſe vertrackte Eigenthümlichkeit des Weſens ſchließen ließ.
Der Beſitzer dieſes im Ganzen wenig einnehmenden Aeußern ſtreifte mit einem ſarkaſtiſchen Blicke eine Gruppe rührender Gattenliebe am Ende des Perrons; es war beinahe etwas wie Schadenfreude in ſeinen Zügen über den nur mit Mühe verhehlten Schmerz in dem bleichen Antlitz des Mannes, den Frau und Knäb⸗ p lein weinend umſchlungen hielten im Bangen des Ab⸗ ſchieds. Der rothe Schnurrbart zuckte wieder, und ſich gewiſſermaßen mit innerer Befriedigung über ſein Alleinſtehen in die Bruſt werfend, ſchritt der Hagere
1*


