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Das greiſenhafte, bis auf einen kleinen geſtutzten Schurr⸗ bart glattraſirte Geſicht zeigte noch immer wohlgeformte Züge, die nur durch den zahnloſen Mund litten, der geſchloſſen Kinn und Naſe einander zu nahe brachte, geöffnet dagegen, wie eben jetzt, meiſt ein breites ſpöt⸗ tiſches Grinſen ſehen ließ. Auch aus den funkelnden Augen ſprühten Ironie und Sinnlichkeit, ſie waren überhaupt viel jugendlicher geblieben als die etwas vornübergebeugte Geſtalt und die tiefgefurchte, von den zahlloſen Löckchen der pechſchwarzen, ſorglich geklebten und gebrannten Perrücke umkräuſelte Stirn. Schlurfend war der alte Mann zur Thür herein⸗ geglitten, der Pfoſten, den er dabei geſtreift, hatte ein Staubmal auf ſeinem ſaubern blauen Rocke zurückge⸗ laſſen, das er nun mit geſpitzten Fingern ſorgſam von dem feinen Tuche abſchnellte, wobei jedoch ſein blitzen⸗ des Auge boshaft auf des Geiſtlichen ungehaltene Be⸗ wegungen und zürnendes Mienenſpiel lauerte. „Pater? Bin kein Pater!“ proteſtirte derſelbe mit Mund und Händen, indeß ſich ſeine hoch hinaufge⸗ zogenen Haarbüſchel über den Augen raſch ſenkten und die wagerechten Linien blitzſchnell in einen Strahlenmit⸗ telpunkt zuſammenliefen, um von hier aus die Senk⸗ rechte zu ziehen.„Habe es Ihnen ſchon oft genug ge⸗ ſagt; gehöre keiner Kloſtergemeinde an, habe ihr nie


