Teil eines Werkes 
1. Bd. (1876)
Entstehung
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er ſich zu wie zu einem Kuſſe oder ſank höhniſch tief nach der einen Seite, und das ſtand im engſten Zuſam⸗ menhange mit dem unaufhörlichen Runzeln und Glätten der niedern Stirn, wobei die grauen Linien aus der horizontalen in die verticale Richtung überliefen, und mit dem fortwährenden Heben und Senken der dicken dunkeln Brauen, die den kleinen grauen Augen nach⸗ einander den Ausdruck maßloſen Erſtaunens, beifäl⸗ ligen Zwinkerns, ironiſchen Zweifels, grollender Abwei⸗ ſung und ungewiſſen Suchens verliehen. Der Hals ſtreckte ſich, der Kopf neigte ſich, die Hände agirten, die Finger machten allerlei geheimnißvolle Zeichen in der Luft, rieben dieſe und jene Stelle des ewig ruhe⸗ loſen Geſichts oder fuhren durch das ſich ſträubende borſtige, erdgraue Haar und ſtreichelten ſanft die kleine künſtliche Glatze am Hinterhaupte.

Die Tonſur war das einzige Kennzeichen des katho⸗ liſchen Prieſters, der ſchmale weiße Hemdkragen über der Seidencravatte erſchien zu wenig charakteriſtiſch und die ſchwarze Gewandung zeigte unter den Staub⸗ flecken kein beſonderes Abzeichen. Sie war von faſt allzugroßer Einfachheit, wie man ſie bei Gelehrten, Denkern, Träumern und dergleichen Menſchen findet, die über einem heftig erregten, zuweilen überſpannten

Innenleben ihre nächſte Umgebung, ihr eigenes Aeußeres 1*