187 licher Bruder des Meſſias⸗Sängers; der Andere, mit dem ſehr ordinären Aeußeren, der Kunſthändler Löſchen⸗ kohl.
Dieſer als Geſchäftsmann ein Glücks⸗, jener ein Pechvogel und obendrein auch noch Sonderling; zuletzt beſorgte er Druckkorrekturen und kleine Schreibereien. Lö⸗ ſchenkohl benützte ihn zu einer Art von Sekretär.
Das merkwürdigſte an Klopſtock war, daß er ſeine Schreibfedern nie bei ſchönem Wetter ſchnitt, ſondern wenn es ſtürmte und regnete. Zu ſolcher Zeit pflanzte er ſich baarhänptig hinaus auf die Gaſſe, über ein Rinn⸗ ſal, ſpreizte wie der rhodiſche Koloß die Beine auseinan⸗ der, damit die Fluth durchrauſche, wobei ſeine weißen Zwirnſtrümpfe ein erbärmliches Ausſehen bekamen, hielt die Feder hoch in die Luft und ſchnitt mit der behaglichſten Ruhe daran.
Löſchenkohl, verſtändig, ein induſtriöſer Kopf, auf⸗ geräumter Patron, wenn er zufällig geſund war, galt den damaligen Wienern als Zeitungsſchreiber in Bildern.
Er illuſtrirte die geſchichtlichen Ereigniſſe, ſeine kolorirten Zeitbilder waren potziämmerlich, aber ſie wur⸗ den gekauft, denn ſie behandelten die allerjüngſten Er⸗ eigniſſe.
Geſtern hielt der marokkaniſche Geſandte ſeinen Ein⸗ zug, heute hängt er ſchon bei Vſchenkohl am Kohlmarkt;
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