Die alten Deutſchen, die Beſieger Roms, ſchätzten die Wunden nicht nach ihrer Länge, Breite oder Tiefe, ſon⸗ dern nach ihrer Schmerzhaftigkeit, das Weh und der Schmerz gaben den Maßſtab für das Verdienſt.
Wer für das Vaterland am meiſten litt, wurde am höchſten verehrt; die Geſammtheit mitfühlte den Schmerz des Einzelnen, der Einzelne empfand das Weh der Ge⸗ ſammtheit.
Wo aber giebt es ein Volk, dem ſeit tauſend Jahren ſo viele Wunden geſchlagen worden ſind, wie dem deutſchen?
Und nicht immer waren es äußere Feinde, von denen ſie kamen, auch durch innere floß Blut im Ueberfluß.
Der Egoismus der Kaſten, ſchwache, unfähige Regen⸗ ten, übermächtige, verworfene Günſtlinge brachten großes Weh über's Land, ja, ihnen genügten die Wunden nicht, die ſie dem Volke ſchlugen, ſie kannten den alten Spruch, daß eine Wunde nicht ſo wehe thue, wie ein Backenſtreich und fügten dem Schmerz auch noch die Schmach bei.
E. Breier. General Roßwurm. J. 1


