13 eingekerbter Striche und ſchämten ſich doch nicht, deren Anzahl noch zu vermehren. Das Innere dieſer Schank⸗ ſtube war keines der freundlichſten; finſtere und räuche⸗ rige Wände, ſchlotterige Tiſche und Bänke, die ſchon große Gelüſte nach Sand und Wiſch trugen, und ein geräumiges Schankgeſtell waren ſeine Hauptbeſtandtheile. Rechts von der Thüre hing ein großes Gefäß mit ge⸗ weihtem Waſſer, und dem Eingange gegenüber befand ſich das Bild des heiligen Jakobs, eines der wirkſam⸗ ſten Schutzheiligen gegen Peſt und andere Krankheiten; vor demſelben brannte ununterbrochen eine düſt're Thran⸗ lampe, deren Ausdünſtung einen widerlichen Geruch verurſachte.
Seit längerer Zeit wars dem Herberger beim ewi⸗ gen Juden nicht nach Wunſch gegangen, denn mit ſammt der argen Kriegsnoth war auch eine große Sterbeſeuche in die Stadt gekommen, die man allaemein„den ſchwarzen Tod“ nannte, und der in den Annalen den Namen„Peſt“ führt. Auf dieſe Schreckenskunde verließen alle fremden Schüler die Stadt, mit ihnen waren auch die Gäſte jener Schankſtube fort, und Herr Joſeph Wazlinger— ſo hieß der Herberger— konnte nun ſein Getränk ſelbſt unter Dach bringen. Seit einiger Zeit befand er ſich aber wieder in beſſern Umſtänden, denn auf eine Frage von Seite der Facultät der freien


