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„Amen!“ riefen alle beim Federſchleißen Verſam⸗ melten, und erhoben ſich von ihren Sitzen.
„Meine Lieben,“ nahm jetzt Reb Löb Tewel das Wort,„ehe Ihr fortgeht, muß ich Allen für den angenehmen Abend, den Ihr mir und den Meinen ver⸗ ſchafft habt, danken. Wir ſind vier Stunden beiſammen geſeſſen, und haben Manches vernommen, von dem es wünſchenswerth wäre, daß es jeder Jude hören und es ſich zn Herzen nehmen möchte. Die Uneinigkeit in den Gemeinden, zweckmäßige Erziehung und Behandlung der Kinder, gewiſſe Vorurtheile in Bezug anf Standes⸗ wahl, das ſind Gegenſtände, die den Juden nicht warm genug an das Herz gelegt werden können, und es iſt die heiligſte Pflicht aller jener Juden, welche die Feder — öfentlich führen, das Volk darauf aufmerkſam zu ma⸗ chen. Glaubt mir ſicher, meine Lieben, jene Juden mit den Millivnen, wenige Ausnahmen abgerechnet, die nützen ihren Glauben wenig oder gar nichts, denn Hauſirer oder Börſeſpekulant, dieſer oder jener iſt ein„Hande⸗
wsund⸗dasiſt ja der allgemeine Vorwurf, den
man den Juden macht, daß ſie nur für den Handel Sinn, nur zum Handeln Luſt und Neigung haben; da⸗ rum behaupte ich, daß ein braver, redlicher, geſchickter jüdiſcher Handwerker dem Judenthume mehr nützt und mehr Ehre macht, als alle jene Millionäre, die eben durch ihren Reichthum den Neid der Andern wecken und zu neuen Gehäſſigkeiten gegen die Juden Anlaß geben⸗


