28
auch ſeinen liebwerthen Gevatter mitgeriſſen hätte, wenn dieſer kein ſo großes Stabilttätsvermögen oder Stand⸗ fähigkeit beſeſſen hätte.
Der Thurner war einen Augenblick lang ganz ver duzt, dann aber ſpreizte er ſeine kurzen Walzenbeine aus⸗ einander, ſtreckte die beiden Hände weit von ſich, und ſchrie mit der ihm eigenen gewaltigen Amtsſtimme: „Halt's'n auf!— halt's'n auf!“
Nun erhob ſich auch der Rathsknecht vom Boden, ſtreckte und wand ſich wie eine Schlange, die ſich erhe⸗ ben will, und gewahrte ſchon in ziemlicher Ferne ſeinen Widerſacher, der mit jener Schnelligkeit, welche geübten Stelzern eigen iſt, ungehindert dahineilte. Ohne ſich zu beſinnen, folgte er ihm im ſchnellſten Laufe nach, wo⸗ bei ihm ſeine langen Beine nicht wenig zu ſtatten ka⸗ men. Herr Lorenz hatte anfangs den tollen Gedanken mit ſeinem Gevatter gleichen Schritt halten zu wollen, und zappelte hinterdrein, allein einige Sekunden brach⸗ ten ihn außer Athem, er blieb ſtehen um auszuſchnau⸗ fen, dann aber wackelte er fein langſam gegen den Ste⸗ phansplatz, um ſeinen Hannes von dem mergigen Schar⸗ lachrennen in Kenntniß zu ſetzen.—
Der lange Michel war indeß ſeinem Gegner mit ſolcher Schnelligkeit gefolgt, als ob er Meilenſtiefel an den Beinen gehabt hätte. Der Verfolgte hatte ihn be⸗


