Teil eines Werkes 
2. Th. (1835)
Entstehung
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Frau, ſagte Ludwig, der den breiten Hut, welchen er trug, zuruͤckſchlug,ſeht mich an. Ich bin Dein Herr, der Graf von Flandern; mein Leben iſt in Deiner Gewalt.

Heilige Jungfrau! rief die Wittwe mit er⸗ hobenen Haͤnden und emporgerichtetem Blicke. Wohl kenne ich Euch; Ihr ſeyd der Landes⸗ fuͤrſt. Doch wie kann ich Euch beſchuͤtzen? Alt und arm in elender Wohnung wie kann ich Euch beſchuͤtzen? Doch will ich mein Beßtes thun; hab' ich doch oft Almoſen an Euren Tho⸗ ren erhalten, und Eure Guͤte gegen Wittwen und Waiſen ſoll nicht durch Undank vergolten wer⸗ den. Hier, edler Herr, fuͤgte ſie hinzu,ſteigt dieſe Leiter hinan; meine Kinder ſchlafen oben; verbergt Euch ſo gut Ihr koͤnnt unter dem Bette derſelben. Eilt! ſeyd hurtig! denn ſchon hoͤr' ich Tumult in der Straße ja, ja es kommt naͤher. Hinauf! ich folg' Euch und will mein Beßtes thun, Euch zu verſtecken.

Der Graf von Flandern ſaͤumte keinen Au⸗ genblick, den ihm ertheilten Rath zu befolgen. Er ſtieg die Leiter hinan und kroch haſtig unter