Teil eines Werkes 
3. Bd. (1860)
Entstehung
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Vielleicht war kein Auge jetzt mehr wach. Nur Chur⸗ fürſt Friedrich Auguſt hatte die Ruhe zu ſuchen unter⸗ laſſen. Es war eine milde Septembernacht. Das Fenſter ſeines Cabinettes ſtand geöffnet. Die Helle des Lichtes zog die Motten herein, dieſe Schmetterlinge der Nacht, welche die Flammen umkreiſten, bis ſie die braunen Flü⸗ gel daran verſengt.

Es war ein Bild des Lebens.

Wir Alle laufen mehr oder minder unſerem Schick⸗ ſale in die Arme, nicht gewahrend, daß es unſer Verder⸗ ben will, bis es uns an die eherne Bruſt drückt.

Der junge Mann ſah bleich aus. Seine Augen blickten trübe und traurig. Sollten Thränen ſie genetzt haben?

Thränen, die ein Mann weint, und einſam weint, haben eine furchtbar erſchütternde Wirkung.

Er war ausgekleidet. Es mochte ihm zu warm ge⸗ worden ſein vor der Flamme des Kamins, die, wenn auch nur ſchwach lodernd, doch die Luft ſchwül machte. Dennoch ſchürte er ſie von Zeit zu Zeit, um ihr Ver⸗ löſchen zu verhüten.

Er las. Es war geſchriebene Schrift, Briefe, deren Inhalt ihn zu intereſſiren ſchien. Dennoch warf er jeden geleſenen in die Flamme, und hielt ſein Auge darauf geheftet, bis keine Spur davon zurückgeblieben.