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Aber mit ſeinem Zorne veränderte er nichts an der Sache.
Raphael nahm ſich nun vor, mit dem Könige ſelbſt zu reden. Bei der nächſten Sitzung ergriff er die Gele⸗ genheit, ihm aufrichtig ſeine Anſicht von der Sache mit⸗ zutheilen und ihm zu erzählen, welche Ueberzeugung er durch eigene Anſchauung von der durchaus ſoliden Bauart der Kirche gewonnen.
Was man gerne glaubt, dem leiht man ein williges Ohr. Unmöglich jedoch konnte ſich König Auguſt jetzt er⸗ klären, daß ein ſo junger Menſch, wie Raphael Mengs, der doch auch kein Baumeiſter war, ihn überzeugt, ob⸗ gleich dies in Wahrheit der Fall geweſen war. Er er⸗ theilte daher nun den Befehl, noch einmal eine genaue Prüfung der Haltbarkeit des Baues anzuſtellen, fügte aber den heimlichen Wink hinzu, daß ſeine Gnade durch ein ungünſtiges Urtheil verſcherzt werde.
Das fruchtete wunderbar.
Zetzt mit einem Male hatte man ſich geirrt und fand keinen Fehler an der neuen Kirche. Welch' ein Tag des Glückes für den armen Chiaveri! Freudeſtrahlend eilte er zu dem jungen Künſtler und drückte ihn, unter Verſicherungen ewiger Dankbarkeit, mit thränenden Au⸗ gen an ſeine Bruſt.„Sie ſind mein Erretter geweſen!“ ſagte er.„Mehr als mein Leben ſchulde ich Ihnen; Sie


