Teil eines Werkes 
16 (1844)
Entstehung
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den zehn Jahren, wo ich nichts von dem weggeworfenen Kinde erfuhr, bießen die giftigſten Schlangen an mei⸗ ner Bruſt, ich büßte reichlich in meinen ſtillſten Stun⸗ den und beneidete den Grafen, der ſo leicht vergeſſen konnte, und kaum ein Jahr nach jener That von Edin⸗ durgh nach Culleanhouſe zurückkehrte und die Hochzeit der Miß Conſtanze mit fürſtlicher Pracht begehen ließ.

Und was geſchah nach den zehn Jahren? fragte un⸗ geduldig der Prinz. Sprich, Du langweiliger Schwätzer⸗ Du Empfindungsloſeſter aller Folterknechte!

Der Pachter ſtand auf und trat zur Schneckentreppe, vie von der Zinne in den Thurm hinabführte. Nyplin! rief er hinunter. Alter Burſche, ſteige herauf, Du biſt uns nöthig! Es bevarf eines Zeugen für meine Ge⸗ ſchichte, die Ihr ſonſt für eine feine Lüge nehmen könntet⸗, um Euer Vertrauen zu meinem Vortheile Euch abzu⸗ gewinnen. Aber haltet Euch ernſt und beſonnen, Hoheit! Welche Bedeutung die Mähr des alten Schäfers hat⸗. wiſſen nur wir Zwei, und es ſteht bei Euch allein, den Ausgang zu erſchaffen, wie's Euch beliebt.

Langſam hatte der greiſe Iſaak die Zinne erſtiegen⸗ und reſpektvoll ſtand er an dem Geländer und erwartete die Befehle des Herrn. Draff faßte ſeinen Arm und ſchob ihn zu dem Platze der Rundbank dem Prinzen gegenüber⸗ den er eben verlaſſen hatte. Schöpfe Athem⸗ Freund, und rede vom Herzen! ſagte er mit dreiſtem Tone. Könige löſen die Zunge und ſchließen den Mund, und Hoheit hat mir wie Dir das Siegel von den Lippen genommen. So darf ich Dich auch Deines Eides ent⸗ binden und fordern, daß Du geireu erzählſt, was heute vor achtzehn Jahren in der Schlacht bei Arlochan ſich begab.

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