Teil eines Werkes 
11 (1843)
Einzelbild herunterladen

444

Spitzbauch mit beiden Händen. Der ehrbare Konrad wurde zuerſt wieder ſtill und bedenklich.

Euer Einfall, Bruder Huſar, iſt ſo lächerlich nicht wie er klingt, ſprach er gedankenvoll vor ſich hinſehend. Aber wer wird hier in der Racht zum Teſtamente die Feder leihen?—

Bleibt mir mit dem Notarius vom Leibe, ſonſt wird nichts daraus, entgegnete der Huſar, und ſetzte einen derben Fluch hinzu. Hätte mich doch in London beinah einmal ein ſolcher Schwarzrock um einige elende Schil⸗ linge für Porterbier unter frei Logis und in freie Koſt gebracht. Könnt ihr ſchreiben, ſo zeichnet's ſelbſt auf, und wir alle unterzeichnen. Des Sohnes Handſchrift wird dem Vater ſchon gültig ſein. Teſtament vor oder in der Schlacht, auf Degenſcheide oder auf eine Patrone geſchrieben, ſoll nicht der Formen und römiſchen Worte bedürfen, hörte ich einmal, als mein erſter Hauptmann ſchwer bleſſirt auf einer Trommel in die Brieftaſche ſei⸗ nen letzten Willen niederſchrieb.—

Ich und mein Hans zeugen, ſprach der Wirth, den der ſonderbare Fall zu beluſtigen ſchien, und der ſogleich all' ſein Schreibzeug aus dem Wandſchränkchen hervor zu ſuchen begann. Langſam entwarf Konrad die Schrift; es war, als wenn es ihm recht ſchwer würde, die Buch⸗ ſtaben hin zu malen. Er ſchilderte kräftiger und getreuer als ein Romanſchreiber die Begebenheiten dieſes Abends, erwähnte den Schutz, welchen Beatus dem Bruder Fritz gegen den Walliſer geleiſtet, malte den neuen Freund ab, wie nur ein polizeilicher Steckbrief abconterfeien kann, und empfahl ihn dem Alten warm und herzlich.

Wenn dieſes Blatt zu Ihm kommt, lieber Vater, ſo ſchloß er, dann hat er keine Söhne mehr, und ſie liegen