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Der Bauernkrieg (1798) : historischer Roman / von Hendrik Conscience
Entstehung
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Blaß und zitternd, aber nichts deſto weniger mit einer gewiſſen Würde, ſprach Genoveva zu dem Offizier:

„Simon, Ihr behauptet, ein Gefühl von Liebe zu mir lebe in Eurer Bruſt, nun, ſo zeigt es mir zum erſten Male in Eurem Leben. Thut ein gutes Werk in meinem Namen!“

„Und wenn ich es thäte, Veva?“ fragte der Offi⸗ zier in leiſerem Tone.

Das Mädchen fuhr muthiger fort:

„Ihr verlangt meine Zuneigung? Nie habe ich Euch als Menſch gehaßt; im Gegentheile, ich habe Euch ſelbſt geſtanden: daß Eure Gegenwart mich ſonſt wohl freute; was jedoch mein chriſtlich Herz, mein weiblich Gemüth gegen Euch empörte und mir Abſchen einflößte, iſt, daß ich in Euch einen gefühlloſen Menſchen ſehe, einen ent⸗ arteten Belgier, der kalt bleibt bei dem Leiden ſeines Bruders. O beweist mir, daß ich mich in Euch getäuſcht, zeigt mir, daß unter der rauhen Rinde, die Euer Herz umſchließt, der angeborene Edelmuth noch fortlebt... Könnt Ihr mir dieſen Beweis geben, ſo wird ein Gefühl der Daukbarkeit, noch mehr, ein Gefühl der Freundſchaft und Zuneigung für Euch in meinem Herzen entſtehen. Simon, Ihr könnt wählen zwiſchen meiner dankbaren Freundſchaft oder meinem gerechten Haß! Bedenkt, daß Ihr ein Cbriſt und ein Menſch ſeid, oder wollt Ihr ein Böſewicht bleiben und Euch an der Todesnoth der un⸗ glücklichen Mutter, deren Bruſt Euch geſäugt und an der Angſt des Mädchens weiden, die Ihr zu lieben behauptet.“

Dieſe Rede, die mit feierlichem Nachdruck und bis⸗ weilen mit düſterer Schwermuth geſprochen wurde, machte einen tiefen Eindruck auf Simon Brutus. Er lauſchte ſtill und geduldig den bezaubernden Tönen der Stimme des Mädchens; ein heiteres Lächeln hatte den finſteren Ausdruck ſeines Geſichtes verwiſcht, man hätte ihn in dieſem Zuſtand für einen guten und gefühlvollen Men⸗ ſchen halten können.