. 36 Lage des Myrthenzimmers gewonnen, richtig war. Sie zählte die Thüren bis zur vierten, ſuchte dann aus dem Schlüſſelbunde den mit„4“ numerirten heraus und ſteckte ihn ins Schloß.
Ehe ſie ihn umdrehte, hielt ſie inne und ſah ſich nach ihrem Gatten um.
Er ſtand neben ihr, ſein geduldiges Geſicht nach der Thür gewendet. Sie legte die rechte Hand an den Schlüſſel, drehte ihn langſam im Schloſſe um, zog ihren Gatten mit der linken Hand näher an ſich und machte wieder eine Pauſe.
„Ich weiß nicht, was auf einmal über mich ge⸗ kommen iſt“, flüſterte ſie matt.„Es iſt mir, als fürchtete ich mich, die Thür aufzuſtoßen.“
„Deine Hand iſt kalt, Roſamunde. Warte ein wenig — ſchließe die Thür wieder zu— ſchiebe es auf bis einen andern Tag.“
Er fühlte, wie die Finger ſeines Weibes ſeine Hand immer dichter und dichter umſchloſſen, während er dieſe Worte ſagte. Dann trat ein Augenblick— ein einziger denkwürdiger, athemloſer Augenblick, der nie wieder ver⸗ geſſen werden ſollte— gänzlichen Schweigens ein.
Dann hörte Leonard das laute knarrende Geräuſch der ſich öffnenden Thür, er fühlte ſich plötzlich in eine andere Atmoſphäre hineingezogen und wußte, daß Roſamunde und er im Myrthenzimmer ſtanden.


