Teil eines Werkes 
2. Bd. (1869)
Entstehung
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Drittes Capitel.

Während die Familie Sonnenkamp in der Reſidenz war, ritt Erich nach Wolfsgarten. Er hatte jeden verrätheriſchen Gedanken in ſich niedergekämpft, er dachte einzig daran, daß er verpflichtet ſei, die Freundſchaft, die Bella ihm zugewendet, dahin zu lenken, daß er ihr die Hoheit ihres Gatten klar mache. Das wollte er. Friſch und muthig ritt er dahin.

Er traf Clodwig allein. Bella war mit einem fremden Beſuch ausgeritten. Clodwig freute ſich, mit Erich einmal ganz allein zu ſein, der ihn bei früheren Beſuchen ſo oft dem Knaben überlaſſen hatte und mit Bella gegangen war. Er berichtete, daß der Sohn eines Freundes, der als ruſſiſcher Geſandter in Neapel gelebt, zu ihm gekommen ſei, um ernſte Studien in der Landwirthſchaft zu machen. Der junge Fürſt habe ſich, wie Alle ſeines Gleichen, im Pariſer Strudel umhergetrieben, aber es ſei ein edler Kern in ihm und eine Willenskraft, die das Beſte hoffen laſſe. Die große That⸗ ſache, daß der Kaiſer von Rußland die Leibeigenſchaft aufgehoben, bewirke zugleich eine noch größere moraliſche und ökonomiſche; die Herren müßten nun aus Gutsbeſitzern einſichtige und ſelbſtthätige Landwirthe werden. Es ſei bei den Ruſſen ein Eifer der Auf⸗ opferung und Hingebung für das niedere Volk, und das ergreife oft Weltlinge ſo mächtig, daß es erſcheine, wie die Umkehr jener heilig Geſprochenen, die, aus tollen Gelagen kommend, plötzlich ihrer ſittlichen Aufgabe inne wurden.

Es gibt keine ſo bildungsbegierige Ariſtokratie, als die ruſſiſche, ſagte Clodwig,leider aber ſind die Männer eifrig und ideell begeiſtert ein Jahr lang oder zwei, dann werden ſie leicht läſſig; ſie haben viel Nachahmungstalent, ſie haben noch zu er⸗ proben, wie lange es vorhält und ob ſie etwas Neues hervor⸗ bringen. Vielleicht iſt die Aufhebung der Leibeigenſchaft ein großer ſittlicher Wendepunkt.

Erich hob hervor, wie es ein glorreiches Zeichen des neuen freien Geiſtes ſei, daß nicht die Kirche, deren Beruf es hätte ſein ſollen, das bewirkt habe, ſondern die reine Humanität, die kein tirchliches Gepräge hat.

Die beiden Männer waren noch in weitgehenden Erörterungen über die Macht des Geiſtes und Clodwig eben in der Darlegung,