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19. Kapitel.
Haß und iebe.
Probella Grimaldi weilte nun ſchon ſeit einiger Zeit in dem lieblichſten Städchen der ſüdweſtlichen Schweiz, in Vevey am Ufer des Genfer Sees.
Sie hatten im Hotel d'Angleterre eine freundliche Wohnung gefunden, und wenn ſie auch hier Manches, vor allen Dingen den Verkehr mit einem befreundeten Herzen, entbehrte, ſo fühlte ſie andererſeits doch auch, daß die Ruhe und Abgeſchiedenheit an dieſem herrlichen, lachenden Orte ihr wohl thaten.
Sie war freilich in geſellſchaftlicher Beziehung auf ihre Mutter allein beſchränkt, indeß fand ſie Abwechslung und Zer⸗ ſtreuung genug in der Muſik wie in den prachtvollen Ausflügen und Spaziergängen, welche die nächſte Umgebung des Städtchens im reichſten Maße ihr bot.
Es war allmälig ruhiger geworden in ihrem Innern, und auf die Erlebniſſe der jüngſten Zeit blickte ſie jetzt zurück, wie auf einen Traum.
Mehr und mehr erkannte ſie, daß ſie nicht anders hatte han⸗ deln können, und wenn noch ein leiſer Zweifel ſich geltend ge⸗ macht hätte, ſo würde er gehoben worden ſein durch die Mit⸗ theilungen, welche Signora Grimaldi ihr eines Tages machte.
Die alte Frau warf ihrer Tochter vor, ſie ſuche Geheimniſſe, wo keine ſeien. Hurter mußte ihr ſeine Unterredung mit Willy mitgetheilt haben, denn Sigsora Grimaldi nahm darauf Bezug und ſpottete über die Vermuthungen des Malers, die ſie kindiſch und thöricht nannte.
Sie erklärte ihr, ſie ſei die Tochter eines Zigeuners, daran laſſe ſich nun einmal nichts ändern, und alle Nachforſchungen würden zu keinem Reſultat führen, Hurter empfange aus Grün⸗ den, die ihr Geheimniß bleiben müßten, eine Unterſtützung, und es ſei lächerlich, daraus total unbegründete Schlußfolgerungen ziehen zu wollen. 28*


