Viertes Buch: Cardinal Wolſey. 15
mens Eurer Gattin unwerth ſein, wenn ich anders handeln wollte, und ich will niemals in Gedanken, Wort oder That dieſen Titel entwürdigen. Ihr mögt Euch ſcheiden laſſen, aber ich werde niemals darin einwilligen; Ihr mögt Anna Boleyn ehelichen, aber ſie wird niemals Eure rechtmäßige Gemahlin ſein, und Ihr mögt mich aus Eurem Palaſt ver⸗ ſtoßen, aber ich werde niemals freiwillig gehen.“
„Ich kenne Eure Widerſpenſtigkeit, Madame,“ erwie⸗ derte Heinrich.„Und nun bitte ich, nehmt Eure Maske vor und begebt Euch weg. Was ich geſagt habe, wird Euch zur Genüge von der Nutzloſigkeit Eures längeren Verweilens überzeugen.“
„Ich merke es,“ entgegnete Katharina.„Lebt wohl, Heinrich,— lebt wohl, geliebter Gemahl meines Herzens — lebt wohl auf ewig!“
„Eure Maske,— Eure Maske, Madame!“ rief Hein⸗ rich voll Ungeduld.„Bei Gottes Wunden! ich höre Fuß⸗ tritte. Laßt Niemand eintreten!“ rief er laut.
„Ich will herein kommen,“ ſagte Anna Boleyn, in die Kapelle tretend, als Katharina grade ihre Maske befeſtigt hatte.„Ah! Eure Majeſtät ſcheint verlegen. Ich fürchte, ich habe eine zärtliche Zuſammenkunft unterbrochen.“
„Kommt mit mir, Anna!“ ſagte Heinrich, ihren Arm ergreifend und ſie fortzuziehen verſuchend—„kommt mit.“
„Nicht eher, als ich weiß, wer Eure Herzliebſte iſt,“ antwortete Anna ſchmollend.„Ihr gebt vor, auf mich eifer⸗ ſüchtig zu ſein, Sire, aber ich habe viel mehr Urſache, auf Euch eiferſüchtig zu ſein. Das letztemal als Ihr in Windſor wart, ſtattetet Ihr einem ſchönen Mädchen am See im Park einen geheimen Beſuch ab, wie ich hörte, und jetzt habt Ihr eine Unterredung mit einer maskirten Dame. Nein, ich kehre mich nicht an Eure Winke. Ich will ſprechen.“


