Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
Entstehung
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nicht. Ein ſcharfer Wind hatte ſich erhoben und trieb mir den Regen in's Geſicht, das welke Laub raſchelte unter meinen Füßen. Noch war ich in dem Baum⸗ gang nicht weit vorwärts gekommen, als plötzlich eine dunkle Geſtalt vor mir auftauchte. Sie trug eine kleine Blendlaterne, deren Lichtſchein mich traf, während die Trägerin ſelbſt im Schatten blieb.—„Marie!“ rief ich aus.—„Nein“, entgegnete eine herriſche Stimme, „ich bin's, Reinhard.“

„Es war das Fräulein?“ unterbrach in athem⸗ loſer Spannung Wildenhagen den Erzähler.

„Ottilie, ſie ſelbſt. Erwarte nicht, daß ich in die Erde ſank oder zu Stein erſtarrte.„Was ſoll das, mein Fräulein?“ fragte ich.„Still, ganz ſtill!“ gebot ſie mir.„Geben Sie mir Ihre Hand, ſo— und nun keinen Laut mehr!“ Sie wie ich kannte jeden Steg, jedes Gebüſch auf dem Schloßberge, jede Lücke in der Gartenmauer, nach einer Viertelſtunde ſchnellen Ganges war ich mit ihr in Sicherheit, in dem alten Thurm. Bis dahin hatten wir kein Wort mit einander geſprochen.„Hier“, ſagte ſie in dem oberen Zimmer, die Laterne auf den Tiſch ſtellend,„hier ſucht Sie Niemand, für dieſe Nacht ſind Sie geborgen.“— „Aber ein Wort— nur ein Wort der Erklärung!“ bat ich, ein Schwindel hatte mich ergriffen.—„Vor