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genommen, mit Ottilien zuſammen unterrichtet und beinahe wie ein Mitglied der Familie behandelt. Das Uebel, das aus dieſer Erziehung für Mariens Zukunft erwachſen konnte, ließ Herr Gottfried Aldenhoven, der in dieſem Leben nur drei ſchätzbare Güter kannte: das Lachen ſeiner Tochter, eine gute Tafel und die boshaften Anekdoten des Doctors, nicht gelten; Bil⸗ dung hätte noch keinen Menſchen unglücklich gemacht, wohl aber ſchon vielen armen hübſchen Mädchen zu einer reichen Heirath verholfen. Die Mädchen gewöhn⸗ ten ſich raſch an einander und wurden unzertrennlich, ſelten ſah man ſie allein. Es war vorgekommen, daß
der Trotzkopf Ottilie ſich geweigert, eine Geſellſchaft zu
beſuchen, in die man ihre Freundin einzuladen ver⸗ geſſen oder vermieden. So nachgiebig und zärtlich Marie, ſo eigenwillig und heftig war Ottilie; in dieſer Weiſe ergänzten ſie ſich. Daß Ottilie die ſchönere und ſtrahlendere von beiden, mußte auch ich mir zugeſtehen, aber ich haßte ſie ebenſo ſehr, als ich die andere liebte. Dieſe Abneigung war gegenſeitig, ſie überhäufte mich mit ihren Spöttereien und fand ein grauſames Ver⸗ gnügen darin, mir, dem unbedeutenden Jungen gegen⸗ über, der eben zur Univerſität„reif“ geworden war, die vornehme Weltdame zu ſpielen. Ich verließ die Stadt und ging nach Heidelberg. Es war die erſte


