Teil eines Werkes 
3. Bd. (1865)
Entstehung
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heit gegeben, mich zu entfernen, um ſogleich nach meiner Schweſter zu forſchen. Mit Haſt eilte ich dem Geſtade zu, beſtieg einen Nachen und erreichte nach kurzer Zeit die Hütte, wohin ſie Pietro, den ſie liebt und der ihr in Liebe ergeben war, gebracht hatte. Die Thür des Hauſes war verſchloſſen, ich ſprengte ſie und ſchaffte meine unglückliche Schweſter in's Fahrzeug um ſie hierher zu bringen.

Jetzt nahte er ſich dem Lager ſeiner Schweſter, betrachtete ſie mit Wehmuth und ſeufzte tief.*9.

Als er ſich von dem Lager entfernt hatte, trat er wieder zu Leonore, führte ſie in eine Fenſterwölbung, wo ſich eine Ausſicht auf den ſtillen Spiegel des Meerbuſens darbot, faßte ihre Hand, die er einige Augenblicke hielt, ehe er Worte finden konnte, und drückte ſie dann an ſeine Lippen.

Leonore zitterte, da ſie dies für die Vorbereitung zu einem ewigen Lebewohl hielt.

Leonore, ſprach er, mein Herz iſt ſchmerzlich betrübt, in⸗ dem ich Ihnen Lebewohl ſage. Gott weiß, wie ich Ihnen für Alles danke, was ich Ihnen ſchuldig bin; aber ich bitte Sie dringend, fügen Sie noch die milde That hinzu, freundlich und ſchweſterlich über Blanka, die Schweſter Ihres unglücklichen Freundes zu wachen. Ich werde ſie bald verlaſſen, um ſie nie wieder zu ſehen in dieſer Welt, und das iſt die größte Wohlthat, die ich ihr jetzt zu erweiſen vermag. Wenn ihre Geſundheit und ihre Kräfte zurückgekehrt ſind, wie ich es hoffe, werden ſich ihr Zufluchtsorte öffnen, wo ſie noch Ruhe finden kann. Ihre Hoff⸗ nung, wie ihr Herz trägt Wittwentrauer und die Ruhe eines Kloſters wird ihr den beſten Troſt gewähren. Ich werde Nea⸗ pel verlaſſen.

Thränen floſſen aus Leonore's Augen, aber ſie antwortete nicht.

Giulio beugte ſich noch einmal über Blanca's Lager.

Lebe wohl, Blanca! ſagte er mit gedämpfter und verän⸗ derter Stimme, während er die bleiche Wange ſeiner Schweſter küßte. 5

Eine feierliche Stille folgte, und er verließ das Zimmer.

Blanca wartete nicht auf die völlige Wiederherſtellung ihrer Geſundheit, um den Urtheilſpruch zu vollziehen, den Giulio über ſie geſprochen hatte.