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Bekanntlich hat der Lazzarone keine Wohnung nöthig. Die unterirdiſchen Katakomben erſetzen ſie ihm; des Hausgeräths bedarf er nicht, Vorräthe ſchafft er nicht an, wozu auch? Die herrliche freigebige Natur, oft ein günſtiger Zufall, liefert ihm leicht die weggeworfene Schaale von einer Angurie(Waſſermelone), die er noch einmal abnagt, oder den Gewinn von einigen Grani, um ſich gütlich zu thun, dann aber iſt er genügſam und zufrie⸗ den und ruht im dolce far-niente(im ſüßen Nichtsthun) bis ihn der Hunger oder Durſt wieder in Bewegung ſetzt. Sein Weib, das ihm nicht immer von irgend einem gutmüthigen Kapußiner durch das heilige Sacrament der Ehe angetraut iſt, und ſeine Kinder, die häufig nicht ihren Vater kennen, theilen dieſes ſor⸗ genloſe Leben und pflegen für die Nächte wenigſtens einen ge⸗ meinſchaftlichen Schlupfwinkel zu haben, wo ſie auf dem kühlen Boden von Sand oder Stein glücklicher und zufriedener ruhen, als mancher Reiche auf ſeinem Daunenbette.
So hatten ſich denn auch in jenen Tagen der Noth und der Verzweiflung mehrere tauſend Lazzaronifamilien in den wei⸗ ten Räumen der uralten Todtengrüfte, die in drei Stockwerken unter den Hallen der prachtvollen Kirche von San Gennaro dei Poveri und von hier aus unter einem Theile der, mit glänzen⸗ den Lavaquadern gepflaſterten Straßen der Stadt ſich hinziehen auf ihre nomadiſche Weiſe niedergelaſſen.
Um ſo mehr war dies an dem Abend des erwähnten Tages der Fall, da ſie wußten, daß in der betreffenden Nacht der Auf⸗
ſtand daſelbſt organiſirt werden ſollte. Dort unten in den Gewölben des Todes war in dieſer
Nacht ein abenteuerlich reges Leben.
Dichte Finſterniß herrſchte in dieſen weiten unterirdiſchen Grüften,— nur hier und dort, von einzelnen Lichtpunkten un⸗ terbrochen, die aber viel zu ſchwach waren auf mehr als einige bleiche Geſichter oder weiße Todtenſchädel ein Entſetzen erregen⸗ des Streiflicht zu werfen..—
So ſah man dort in einer glühenden, tiefinnigen Andacht ein junges weibliches Weſen vor einer Votivlampe knieen, welche irgend ein frommes Gemüth für die Seelen der chriſtlichen Mär⸗ tyrer geſtiftet hatte, die in längſt entſchwundenen Zeiten hier im
Kein Wort wurde gewechſelt und alle drei ſchritten vor⸗
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