Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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446 Einundzwanzigſtes Kapitel.

Gaſthof einen Lohnbedienten, der uns für Pferde ſorgte, und ritten um neun Uhr von Hauſe weg. Der Weg führte an der rechten Abdachung des Felſens hinauf, anfänglich durch die Stadt, die terraſſenförmig aufgebaut iſt, zuweilen nur durch ſteile Steintreppen verbunden, und wo die oben hinführenden Straßen öfter auf gleicher Linie mit den Dächern der unten liegenden Häuſer laufen. Außerhalb der Stadt zieht ſich der ſchmale Reitpfad im Zickzack durch zerriſſene Felspartien und führt noch längere Zeit an einzeln ſtehenden Häuschen vorbei, dann haben wir offene Batterien wie auf der Alameda, mit allerlei zierlichen Geſträuchen untermiſcht, Orangen, Citronen und Lorbeer, neben alten mauriſchen Thürmen und neueren Feſtungswerken. Und wie grandios entwickelt ſich die Ausſicht, während man immer höher und höher aufwärts ſteigt! Die Stadt zu unſern Füßen mit ihrem Maſtenwalde ſcheint ſich ängſtlich zuſammenzuducken, wobei die majeſtätiſchen Berge von Europa und Afrika immer rieſenhafter aufſteigen, und die Bai von Gibraltar, drunten für uns ſo weit und groß, ſchrumpft zu einem kleinen See zuſammen, während ſich die ſonnbeglänzten Weltmeere nach Oſten und Weſten in ihrer Unendlichkeit ausdehnen.

Vierhundert Fuß über der Stadt erreichten wir die erſte Gallerie, wo uns ein Sergeant der Artillerie erwartete, um durch ſämmtliche Werke unſer Führer zu ſein. Ein ſchweres feſtes Thor öffnet ſich vor uns und aus dem blendenden Sonnen⸗ lichte treten unſere Pferde in einen ſchattigen, vielleicht zwanzig Fuß hohen Felſengang, der ſich endlos vor uns auszudehnen ſcheint und wo das Echo die Hufſchläge dröhnend wiedergibt. Es iſt ein eigenthümliches Gefühl, durch dieſe Batterien zu reiten, und man erſtaunt über die Willenskraft der Menſchen, welche durch den harten Fels dieſe Gänge gehöhlt. Vermittelſt der Schießſcharten fällt das Licht herein, und wenn dieſe auch weit und hoch ſind, ſo braucht man doch nur in die ſchwindelnde Tiefe hinabzuſchauen, um zu begreifen, daß man von drunten dieſe Oeffnung nicht entdeckt, ſelbſt nicht die Mündung der Vier⸗