Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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4 Zwölftes Kapitel.

ſetzt, durch welche man einige Häuſer erblickt, in weite Ferne ſich verlierend ein paar Alleen, eine ſchöne breite Straße, welche die Bahn kreuzt, und unter den Stämmen dichtgepflanzter Baum⸗ reihen hindurch lange Reihen von Arcaden, die den Schloß⸗ platz umgeben. Und als wir bald darauf weiter fuhren, behielten wir die Gebüſche, hochſtämmige Platanen, Eſchen und Ulmen noch eine Zeitlang zu beiden Seiten, ſetzten auf einer hübſchen Brücke über den Tajo, um bald darauf abermals alle Vegetation hinter uns zu laſſen, und wieder in die weite, hügelige Ebene einzufahren dem äußeren Anſchein nach ein Terrain wie die Campagna um Rom, nur mit weniger ſchönen Formen, vor Allem aber nicht mit der prächtigen Färbung jener herrlichen Einöde.

Wenn man ſich das Wort Madrid ausſpricht, ſo denkt man unwillkürlich an eine große, prachtvolle Stadt. Mag der ſtolze Klang dieſes Namens dazu beitragen, oder der Gedanke an die gewaltige Geſchichte Spaniens, oder an die unermeßlichen Gold⸗ quellen, welche Jahrhunderte lang aus den reichen Colonien dahin gefloſſen genug, mau ⸗hält Madrid mit einer Stadt von lauter Paläſten gleichbedeutend. Obgleich uns ſchon oft das Gegentheil verſichert wurde, obgleich wir ſchon öfters geleſen, namentlich von der öden und unmaleriſchen Lage der ſpaniſchen Hauptſtadt, ſo ſind wir doch ungläubig und können in dieſem Fall nicht recht be⸗ greifen, warum man denn, bei den vielen prachtvollen Städten, die Spanien beſitzt, gerade Madrid zu jenem Rang erhoben. Freilich liegt es faſt im Mittelpunkt des Reichs, iſt aber bei den mangelhaften Straßen, namentlich zur Winterszeit, einer Inſel zu vergleichen, welche der Reiſende erſt nach langen Mühſelig⸗ keiten und Gefahren erreicht. Uebrigens iſt ihr auch der Rang einer Hauptſtadt ſchon öfter ſtreitig gemacht worden, und vor Philipp II. wurden das Hoflager und die caſtiliſchen Cortes nur bisweilen in Madrid gehalten; in früheren Tagen war der Sitz der Regierung längere Zeit in Toledo, und wurde nach dem Tod Philipps II. auf einige Jahre nach Valladolid verlegt; doch zog