Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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28 Zweites Kapitel.

der Gallerie irgend einer Börſe oder ſonſt eines Ortes des öffent⸗

lichen Verkehrs. Auch die Logen fand ich beſetzter als in den.

früheren Jahren, und wenn auch noch hie und da in den erſten Rängen manche ſchwarze Lücke klafft, ſo glänzen doch wieder von allen Seiten die ſchönen Augen der Mailänderinnen, elegante Toilet⸗ ten und weiße Arme und Schultern hervor unter Spitzen, künſtlichen Blumen und Brillanten. Auch hier wird viel geplaudert und gelacht, Lippen und Fächer ſind in der emſigſten Bewegung, und dieß allgemeine Leben iſt um ſo verſchiedenartiger und blendender, als die Aufmerkſamkeit aller nicht nach der Bühne gerichtet iſt, ſondern jede Loge einen kleinen geſellſchaftlichen Kreis bildet, der für ſich handelt, denkt und plaudert. Bekanntlich ſind ja in allen italieniſchen Theatern die Logen durch feſte Wände von einan⸗ der getrennt, man befindet ſich wie in einem kleinen Salon. Drei höchſtens vier Perſonen haben in einer ſchon großen Loge kaum Platz an der Brüſtung, die andern ſttzen nebeneinander auf den kleinen Divans an den Wänden, und nur, wenn etwas beſonderes

auf der Bühne vorgeht, drängt ſich alles vor, um hinauszuſchauen;

woher es denn oft kommt, daß das Haus, welches jetzt von unten

geſehen ziemlich leer erſcheint, im nächſten Augenblick Tauſende von

Geſichtern zeigt, die ſich überall neugierig hervordrängen. Es gehört

hier in Italien ſehr zum guten Ton, die Logen der Häuſer, wo

man eingeführt iſt, wenn auch nur auf kurze Zeit, doch fleißig

zu beſuchen, und es wird für eben ſo unhöflich gehalten, ſich hier

längere Zeit nicht ſehen zu laſſen, als wenn man es vernachläſſigte

die gewöhnlichen Beſuche im Hauſe ſelbſt zu machen.

Plötzlich aber ändert die Muſtk Tempo und Tonart; es tritt ein beliebter Sänger, eine geſchätzte Sängerin auf, und alles Geſpräch verſtummt. Lautloſe Stille liegt über dem ganzen Hauſe, worin das Parterre mit gutem Beiſpiel vorangeht; die Damen in den Logen beugen ſich über die Brüſtung, Augen und Lippen ſind regungslos, ſelbſt das cokette Spiel mit dem Fächer hört auf. Man kann ſich denken, daß der Künſtler, für dieſe all⸗

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