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Herr Moſes Goldſtein. 275
Den Herrn Goldſtein überflog ein ſo umheimliches Ge⸗ fühl, daß er nicht mehr daran dachte, ſich noch ferner in dem Garten nach den anderen Penſionären des Dr. Henderkopp umzuſchauen; auch ſah er dieſen ſo eben im Hofe erſcheinen, und beeilte ſich, um ſeinen Platz im Wagen nicht zu ver⸗ lieren, der ſo eben am Gitterthor vorfuhr.
Als der Director der Privat⸗Irren⸗Anſtalt ſeinen Ge⸗ ſchäftsfreund auf ſich zukommen ſah, hatte er einen eigen⸗ thümlichen Gedanken.„Wäre es nicht erſprießlich und ko⸗ miſch zugleich und dabei ein Act der Gerechtigkeit, wenn ich Gebhard einen Wink gäbe, er ſolle dieſen zudringlichen Kerl, deſſen Geiſteskräfte mir etwas geſtört erſcheinen, unter irgend einem Vorwande ſanft auf die Seite ziehen und in die Tobzelle einſperren? Gäbe man ihm von vorn herein eine kräftige Douche, ſo könnte das bis morgen früh auf ſeinen moraliſchen Zuſtand ſo eingewirkt haben, zugleich mit dem ahnenden Verluſte ſeines Geldes, daß der erſte Irrenarzt der Welt, ja, eine ganze Facultät von Irren⸗ ärzten ſeinen Zuſtand als ſehr gefährlich finden würden, wenn ich ihnen dieſen jungen Mann da mit der rothen Sammtweſte als einen gewiſſen Moſes Goldſtein vorſtellte, der die fixe Idee hat, ich ſei ihm zwanzigtauſend Gulden ſchuldig— es wäre ein koloſſaler Spaß und vielleicht heute Abend ausführbar, wenn mein guter Freund die Schuld⸗ urkunde quittirt hat.“
Dieſe angenehmen Betrachtungen, denen ſich der Doctor überließ, während ſich der Andere Schritt für Schritt näherte, berührten ſein verfinſtertes Gemüth ſo wohlthuend, daß ſich auf ſeine Züge ein leiſes Lächeln ſtahl, welches ſich


