Zwölſtes Kapitel.
ja, ich bin auch eine vornehme Familie, ſchau' Er ſich das Wappen recht genau an, ich kann ihm noch mehrere dazu zeigen, und jetzt zieh' Er dahin, Er trauriger Luftzug!— Spazier Er weiter, Er zerſchnittener Melonenkopf, Er Zierrath vom Elend!“
Nach dem letzten Erguſſe ſetzte ſich die Frau auf einen um⸗ gekehrten Korb nieder, trotzdem, daß dieſer Korb bedeutend krachte und ſeufzte. Dann holte ſie abermals tief Athem und würdigte den alſo Ermahnten keines Blickes mehr.
Pierrot hatte ſich in dieſem Augenblick aufs Schleunigſte gewendet und lief mehr, als er gieng. Seine eifrige Sorge war, den Marktplatz bald hinter ſich zu wiſſen; denn einige Straßen⸗ jungen, denen die verſchiedenen Benennungen, womit Frau Schoppelmann ihn beehrt, äußerſt paſſend erſchienen, verfolgten ihn lachend und ſchreiend, bis er in eine enge Seitengaſſe einbog und dann wieder in eine andere, und ſo ſeinen Verfolgern entgieng.
Der arme Joſeph hatte heute einen unglücklichen Tag, und wenn ihn auch nicht ſeine Geſchäfte zum Weinſchanke der Frau Schilder getrieben hätten, ſo würde er dahin gegangen ſein, um ſich von der erlittenen Niederlage einiger Maßen aufzurichten. Bald hatte er dieſes traulich ſtille Aſyl erreicht und trat in das Gaſtzimmer.
Es war dieſes ein Ort, um eine gebeugte Seele, die ſich nach Ruhe und Einſamkeit ſehnte, zu befriedigen, ein Plätzchen, wie gemacht, um in Annehmlichkeit und Gemüthsruhe einige gute Schoppen zu leeren. Hier herein drang nie das Geräuſch der Straßen, kaum die Klavierkoncerte der Schullehrer, und wenn man ſich, wie Joſeph that, in das Hinterzimmer zurück zog, konnte man glauben, man befinde ſich, von der ganzen übrigen Welt getrennt, allein auf einer wüſten Inſel.
Mit einer wüſten Inſel hatte dieſes Haus überhaupt viel


