Teil eines Werkes 
4. Bd. (1870)
Entstehung
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Ernſte und heitere Erinnerungen.

ging er hinaus und betrachtete ſich bei anbrechendem Morgen den ankommenden Eilwagen mit ſeinen dampfenden Pferden und übernächtig ausſehenden Paſſagieren, die theils hier in der Reſidenz blieben, theils ihre Reiſe in die öſtlich gelegenen Berge, wohin noch keine Eiſenbahnen führten, zu Wagen fort⸗ ſetzten. Es waren Morgennebel aufgeſtiegen, welche dem Tages⸗ lichte kaum erlaubten, ſich bemerkbar zu machen, obgleich die Herrſchaft der Nacht vorüber war, was der bunt bewegten Scene auf dem Poſthofe bei dem ungewiſſen Lichte der herbei⸗ gebrachten Laternen einen eigenthümlichen Reiz verlieh. Die Pferde ſchienen wie in weiße, aufwallende Schleier gehüllt, und die Paſſagiere, wie ſie nach und nach zum Vorſchein kamen und dann fröſtelnd den Wagen umſtanden, wie ſchattenhafte ge⸗ ſpenſtiſche Weſen, bereit, beim erſten Hahnenrufe zu verſchwin⸗ den. Und doch waren ſehr körperhafte Geſtalten darunter, be⸗ ſonders eine ſchwarzgekleibete Dame, die mit etwas coquetter Aengſtlichkeit unter der Beihülfe eines jungen Mannes zuletz, als Alle ſchon den Wagen verlaſſen hatten, Anſtalten zum Ausſteigen machte, indem ſie mit dem kleinen Fuße prüfend den Wagentritt betaſtete, ehe ſie ſich mit einem leichten Aufſchrei jenem jungen Manne in die Arme warf und dann auf den Boden niederglitt.

Der Poſtdiener mit der Laterne hatte ſorgfältig dazu ge leuchtet und ließ nun den Schein der Laterne auf das Geſicht dieſer Dame fallen, und wen erblickte Erich, der aus einem dunkeln Winkel neben dem Wagen dieſem Treiben zuſchaute? Selma.

Ja, ſie war es; er hätte ſie unter Tauſenden wieder er kannt, und doch hatte ſie ſich ſehr verändert, ſeit er ſie das