2 Achtunddreißigſtes Kapitel.
Tages ſehr gebrochen durch die verſchiedenen Wände der höl⸗ zernen Käfige in ſeine Zelle drang.
„Gott ſei getrommelt und gepfiffen!“ hörte er einen Ne⸗ benmann in ſehr verdrießlichem Tone hervorſtöhnen, während ein anderer ſehr glücklich das Krähen des Hahnes nachahmte und ein dritter Nachbar declamirte:
Auf, ſprach der Fuchs zum Haſen, Auf, hörſt du nicht den Jäger blaſen!
„Schon wieder eine vorüber— krieg' die Kränk' Offen⸗ bach!“
„Wie viel Tage haſt du noch?“
„Zwei— ſechs ſind vorüber!“
„Gott ſei Dank,“ hörte man eine andere Stimme etwas kläg⸗ lich ſagen,„da kann man ſchon zufrieden ſein, wenn man auf der Höhe ſteht und abwärts geht! Ich fange leider erſt an, auf⸗ zuſteigen— Eins von Zehn!“
„Br—r— r— r....“
Dieſe Geſpräche wurden geführt, ohne daß Einer den An⸗ deren, da ſie alle in Einzelhaft ſaßen, hatte ſehen, ja, kaum nothdürftig verſtehen können, und meiſtens unterhielt man ſich auch nur ein paar Augenblicke während der Morgendämmerung oder vielleicht Abends nach dem Zapfenſtreich. Es war im Militär⸗Arreſtlocale ſtreng verboten, ſich einander etwas zuzu⸗ rufen; auch wußte man in ſeltenen Fällen, wen man zum Nachbar hatte. Bald darauf, als es ziemlich Tag geworden war, klirrten die Riegel an Weitberg's Kaſten, und er wurde von dem Rattenkönig herausgelaſſen, der ihm mit verdrießlicher Miene ſagte:„Man muß es verdammt eilig haben, Sie wie⸗ der nach Hauſe zu kriegen, daß man zu ſo früher Morgen⸗


