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Der Graf.(völlig außer aller Faſſung) Aber
Sophie.(huͤpft aus dem andern Kabinet und fligt in Juliens Arme) Ach, Julchen! wirſt du mir vergeben?.. Ich fuͤhle nun, Herr Graf, daß es Menſchen gleht, die man nie tief genug verachten kann..
Der Graf.(der ſich mit aller Gewalt, aber vergebens, ſammeln will.)
E. v. Sinzenheim.(hat indeſſen das Fenſter von auſſen aufgedruͤckt— indem er in den Saal ſpringt) Herr Graf, brauchen ſie einen Sekundanten 2 (zu Julie) Auch ich gnädiges Fraͤulein, muß ſchaamroth bekennen..
Julte. Mein Herz hatte euch guten Leuten ſchon laͤngſt vergeben... Hier iſt mein Bruder
Sophie. Seyn ſie doppelt willkommen, lieber Vetter!
Julie. Sie muͤſſen geſtehen, Herr Graf⸗ daß, obgleich die Aehnlichkeit zwiſchen uns beyden ziemlich auffallend iſt, mein Bruder dennoch die⸗ ſen blauen Bart und dieſe Narbe, unmoglich fuͤr weibliche Reize haͤtte konnen geltend machen.— Auf dem Lande erzogen, wo mannigfaltige Ue⸗ bungen die Geſundheit und den Korper ſtaͤrken, habe ich freylich nlcht den eleganten Zuſchnitt er⸗ halten konnen, den ihr Halbmaͤnner an unſerem Geſchlechte ſo vorzuglich ſchaͤtzet— daß aber auch der gewandteſte Stutzer wie ein Einfaltspinſel von einem Landmaͤdchen ſich kann fangen und behan⸗ deln laſſen, haben ſie, mein ſcharmanter Herr
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