Teil eines Werkes 
3. Bd. (1868)
Entstehung
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mit den Schaaren des Königs Ferdinand und der her⸗ zoglichen Brüder von Sachſen, in das Voigtland ein⸗ gebrochen, im breiten Strome ſich daherwälzte, konnte das zagende Volk keine Freudigkeit am Frühling und ſeinen Hoffnungen mehr haben! Die ſtrotzenden Saaten ſollten vielleicht bald von Roſſeshufen zertreten werden, jene Obſtblüten, wer konnte noch daran denken, einſt ihre Früchte zu pflücken! Bangere Sorge noch erfüllte die Herzen vor dem eigenen Schickſal, denn das Gerücht war nicht müßig geweſen, von den Gewaltthaten der Spanier und Italiener die entſetzlichſten Dinge zu ver⸗ breiten. Da war alle Luſt und alles Behagen nur denen verblieben, welche in Waffen über die geſegneten Fluren einherzogen: der Soldat fühlte ſich wieder ein⸗ mal Herr der Welt!

Von ſolchem Uebermuthe waren jedoch zwei Reiter nicht gehoben, welche in aller Morgenfrühe durch die Lommatzſcher Pflege, einen der fruchtbarſten Landſtriche Sachſens, raſch dahintrabten. Sie gehörten weder zu dem einen noch zu dem andern Heere und hatten alle Urſache, vorſichtig auszuſpähen, daß ſie nicht einem der Streiftrupps, welche die Kaiſerlichen ſehr weit ausſchickten, in die Hände ſielen. Wo das Heer des Kaiſers ſtand oder marſchirte, wußten ſie ebenſo wenig als die Vornehmſten im kurfürſtlichen Lager, das ſie