geſchlafen war. Die Tochter ſaß neben ihm unter der Buche, welche ihre weit ausgeſtreckten Aeſte zum Schirm⸗ dach über Beide breitete. Ringsum walltete jetzt die Stille des Hochmittags. Die Klänge der Jagd, welche aus der Ferne vorher zu ihnen herüber geklungen, waren längſt verſtummt; der Edelhirſch mochte ſchon unter dem Fän⸗ ger des fürſtlichen Herrn verendet, die ganze Jagdgeſell⸗ ſchaft bereits auf der fröhlichen Heimkehr ſein. Dieſe Ein⸗ ſamkeit herrſchte wiederum in der grünen Waldnacht. Das Wild, das zahlreich aufgeſcheucht in entlegene Re⸗ viere geflohen war, hatte ſich, von der Todesangſt be⸗ freit, in ſichere Lagerſtätten gedrückt, die ganze Welt der Inſekten, die ſonſt in zahlloſen Schwärmen in Halm und Geſträuch, auf den wilden Blumen am Berghang und über den Wellen ſich des kurzen Daſeins freut, ſchien ausgeſtorben; jedes Weſen hatte ſich einen friedlichen Ver⸗ ſteck geſucht; keines Vogels Lied ließ ſich hören, ſelbſt die Flut im Grunde ſchien leiſer an den Rändern zu rau⸗ ſchen, die der weitern Ausbreitung der Gewäſſer einen Daum geſetzt hatten. Das Auge des jungen Mädchens blickte träumeriſch in die Tiefe As Waldes, zuweilen verſchwand es unter den Lidern, welche ſich ſchwer ſenkten, als wolle der Schlummer auch zu ihnen einkehren, aber es war immer nur für einen Moment, und die Traum⸗ bilder, welche ſich nahten, mochten keine erfreulichen ſein,
1860. II. Im Strom der Zeit. I. 2


