Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
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eingefallen, daß die vortheilhafte Meinung, welche ſie von der Großmuth des Königs von Ungarn hegte, einer ver⸗ ſteckten Vorliebe für ihn, der einſt um ihre Hand geworben, zugeſchrieben werden könnte. Sie dachte noch darüber nach, als ſie ſpäter beim heitern Mahle, welches die Jagd krönte,

an der Seite ihres Oheims ſaß und war ungewöhnlich

ſchweigſam, ſo daß ſie ihr anderer Nachbar, natürlich der Herzog von Baiern, leiſe fragte, ob er ſie beleidigt habe. Das laute Geſpräch, das mit Tiroler Lebhaftigkeit um die

Tafel ſchwirrte, begünſtigte eine unbelauſchte Unterhaltung;

Kunigunde war aber von dem Gedanken, den ſie wäh⸗ rend des Jagdritts vernommen hatte, daß Albrecht ihres Vaters erneute Huld ſuchen wolle, noch zu befangen, durch ſeine Worte, denen ſie kaum Einhalt zu thun vermocht, ſo gewarnt, daß ſie auf ſeine bedeutungsvolle Frage nicht ein⸗ ging, ſondern nach einer flüchtigen und verwunderten Ab⸗

lehnung der Annahme, die ſie enthielt, möglichſt bald ihren

Oheim in ein Geſpräch zog, welches ſie nun geſchickt leitete.

Zeit gewonnen, Alles gewonnen! Dieſe Löſung, welche der Kanzler ausgeſprochen hatte, war ganz im Sinne

ſeines Herrn, der nur der Gegenwart lebte, ſo heiter und ſorglos, als gebe es gar keine kommende Zeit, welche An⸗ ſpruch an ihn machen könne. Darum verſchob er auch mißliche Fragen, deren Entſcheidung ihm oblag, ſchwierige