298 Der Weiberfeind.
Guſtav(aßt ſie los, empfinvlich). Es wäre freilich ſchade geweſen um die ſchöne Taſſe, das ſüße Andenken von dem jungen Offizier!
Betty(ernſt). Guſtav!
Guſtav(mmer empfindliche). Sehr ſchade! die Taſſe iſt dir ja ſo theuer, daß du jeden Morgen daraus trinkſt! Es wäre ein unverzeiliches Verbrechen geweſen, hätte ich ihren Untergang herbeigeführt!
Betty. Guſtav!
Guſtav. Es war ein ſchöner Mann, der Herr Lieute⸗ nant, recht kriegeriſch, recht tapfer ſah er aus!
Betth(eht Guſtav einen Augenblickan und ſagt). Ja, die Taſſe iſt mir theuer, und ihren Geber werde ich niemals vergeſſen. Als unſer Haus brannte, als ich, halb erſtickt vom Rauche, verzweiflungsvoll um Hülfe rief und Niemand mich hörte, war er es, der durch die Flammen drang, und mit eigener Lebensgefahr mich auf ſeinen Armen hinabtrug!
Guſtav Cittend). Betty!
Betty. Ohne ihn wäre ich längſt nicht mehr, wäre ich nie dein Weib geworden,— ſoll ich ſein Andenken nicht bewahren?
Guſtav. Ich habe Unrecht!
Betty. Soll mir das Geſchenk nicht theuer ſein, das mich an einen edlen Mann erinnert?
Guſtav. Liebes, ſüßes Weibchen!
Betty. Doch, du ſollſt nie wieder Urſache haben, an dieſer Taſſe Aergerniß zu nehmen. Geht nach dem Hintergrunde und verſchließt die Taſſe in einen Schrank.)


