Der Canarien⸗Vogel.
An das Fräulein von Baumberg.
J armer Vogel, der, o ſchöne Sängerinn,
Von deinem Reitz magnetiſch angezogen,
Jüngſt in dein Kämmerchen geflogen,
Ich armer Vogel war nicht immer, was ich bin.
Ich war ein Jüngling und ein Dichter,
Und wenn mein Lied nicht ſtets die Sylbenrich⸗ ter
Befriedigte, gefiel's den Mädchen doch
Und machte mir, das muß ich ſagen,
Leicht ihre Bürde, ſüß ihr Joch⸗
Zwar gab es hier und da zu klagen
Oft mit, oft ohne Recht; doch endlich glich ſich's aus.
Und unter uns, Trotz meinem heißen Sehnen,
Mondſchein'gen Elegien und lichten Oden- Thrä— nen,
Kam was Beträchtlichs noch dem ſchönen Volk her⸗ aus.
Denn die mich neckte, neckt' ich wieder;
Die mich betrog, betrog ich doppelt wieder.
So ſtand ich zwar ſters in der Lehenspflicht
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