332
Herrn. Im Weitergehen ſummte er ein Lied vor ſich hin, das er in ſeiner Kindheit oft gehört.
Nun adjes, herzlieber Vater,
Nun adjes, jetzt lebet wohl! Wollt ihr mich noch einmal ſehen, Steigt hinauf auf Bergeshöhen, Schaut hinab in's tiefe Thal, Seht ihr mich zum letztenmal.
Nun adjes, herzliebe Mutter,
Nun adjes, jetzt lebet wohl!
Habt ihr mich in Schmerz geboren, Für die Kirche*) auferzogen,
Seht ihr mich zum letztenmal, Nun adjes, jetzt lebet wohl.
Auf einem Steine ſitzend überlegte dann Jvo ſein Schickſal: er war doch unbeſonnen fortgegangen, er hatte nichts Klingendes bei ſich, als die Klänge ſeines Waldhorns; er gedachte, wie er nun gute Leute anſprechen müſſe, um fortzukommen. Auch bei dem reinſten Herzen iſt es doch immer etwas tief Einſchneidendes, betteln zu müſſen; Jvo erröthete im Voraus bei dem Gedanken. Wir dürfen auch nicht vergeſſen, daß er als reicher Leute Kind an die Fülle zu Hauſe dachte, und aus ſeiner tiefſten Seele löste ſich ein abgeriſſener Klang eines alten Liedes; mit ſchmerzlichem Lächeln ſang er:
Han kein Haus und han kein Geld, Und kein Theil an der Welt
Da ſah er eine Schaar Ochſen des Weges daher kommen, voraus ging ein Paar Stromel. Jvo geſellte ſich zu den Ochſentreibern und fragte, wohin ſie gingen, er
*) Jpvo ſetzte hier willkürlich für die Kirche, ſtatt für den Kaiſer.


