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Sie ſtrich ſich ihre Kleider glatt, ging hinab an den Fluß, wuſch ſich die Augen hell und glättete ihr Haar; träume⸗ riſch ſtand ſie eine Weile da und ſchaute nach ihrem Bilde, das der Fluß wiederſpiegelte, ihre Augen waren ſtarr auf die Wellen gerichtet, aber ſie ſah nichts, ſie hatte, was man ſo ſagt,„den Glotzer,“ wo es iſt, als ob ein Ge⸗ danke den leiblichen Blick von der nächſten Unmgebung ent⸗ führt, um ihn auf einen Gegenſtand zu lenken, der vor der Seele ſchwebt, auf daß man ihn lebendiger anſchaue. Weiter ſchreitend ſchaute ſich Emmerenz oft verwundert in der Gegend um, es war ihr ganz eigen zu Muthe, ſo allein beim erſten Sonnenſtrahl auf fremdem Boden zu ſtehen, wo Niemand ſie kennt, Niemand etwas von ihr weiß; trotzdem ſie den Gang wohl fühlte, war es ihr doch, wie wenn ſie urplötzlich daher gezaubert wäre.
Es war ein ſchöner, heller Auguſtmorgen, die Lerchen jubelten froh in den Lüften, im Walde zwitſcherten die Amſeln; Alles das machte keinen Eindruck auf Emmerenz, ſie war das gewohnt, und im Weitergehen ſang ſie
Die hohen hohen Berge,
Das tiefe tiefe Thal!
Jetzt ſeh ich mein ſchön Schätzele Zum allerletztenmal.
In Rottenburg machte ſie eine Weile Raſt, dann ging ſie wieder neu geſtärkt weiter. Erſt als ſie Tübingen ſah, ſiel es ihr ſchwer aufs Herz, wie ſie es anfangen ſollte, den Jvo im Kloſter zu ſehen. Sie erinnerte ſich indeß, daß des Chriſtians Lisbeth beim Prokurator dient, die Magd eines Prokurators, dachte ſie, wird ſchon leicht Rath wiſſen, lauft ja Alles zu ihrem Herrn, wann es nicht mehr weiß, wo aus noch ein. Nach vielem Umherfragen fand Emmerenz die Lisbeth, dieſe wußte aber keinen Rath und trug den ſchwierigen Fall dem Knechte vor. Der Knecht, ſchnell überrechnend, daß ein Mädchen, das einen


