„
33
ehe man den Knall hörte, hörte man den Hansjörg gotts⸗ erbärmlich ſchreien. Die Piſtole entfiel ſeiner Hand, er ſelbſt wäre vom Pferde gefallen, wenn ihn ſein Kamerad, der Fideli, nicht gehalten hätte. Jetzt ſah man, was ge⸗ ſchehen war: der Hansjörg hatte ſich am mittlern Gelenk den Zeigefinger der rechten Hand abgeſchoſſen; er wurde nun vom Pferde herunter gehoben. Alles ſprang mitleidig herzu, und auch das Kätherle aus der Ziegelhütte kam herbei und wurde faſt ohnmächtig, als es ſah, wie der Finger des Hansjörg nur noch an der Haut hing; der Hansjörg aber biß vor Schmerz die Zähne über einander und blickte ſtarr auf das Kätherle. Er wurde nun in das Haus des Zieglers gebracht. Der alte Jockel vom Schenbuß, der das Blut ſtillen konnte, wurde ſchnell herbeigerufen; ein Anderer lief nach der Stadt zu dem Erath, einem vielgeliebten Chirurgus.— Als der alte Jockel ins Zimmer trat, war Alles plötzlich ſtill und wich vor ihm zurück, ſo daß alle Anweſenden zu beiden Seiten eine Fronte bildeten, durch welche er zu dem Verwundeten ſchritt, der hinter dem Tiſche auf der Bank lag. Nur das Kätherle trat vor und rief:„Um Gotteswillen Jockel, helfet dem Hansjörg.“ Dieſer ſchlug die Augen auf und wendete den Kopf nach der Redenden, und als nun der Jockel vor ihm ſtand und leiſe murmelnd die Hand be⸗ rührte, da hörte das Blut ſchon auf zu rinnen.
Das war aber dießmal nicht durch die Sympathie Jockel's geſchehen, ſondern durch eine andere Sympathie, nämlich durch die zwiſchen dem Kätherle und dem Hans⸗ jörg. Denn als dieſer die Worte Kätherle's hörte, fühlte er, wie ihm alles Blut nach dem Herzen drang, und dadurch hörte das Bluten des Fingers auf.
Der Erath kam und dem Hansjörg wurde nun der Finger abgenommen. Er hielt ſich bei dem grauſamen Schmerze wie ein Held. Als er ſchon einige Stunden darauf im Wundfieber lag: war es ihm, als ob ein Engel zu ihm heranſchwebte, und ihm Kühlung zuwehte.(Er wußte es nicht, daß das Kätherle ihm die Fliegen abwehrte 3


