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Amalia Hillner : Roman : 5 Bdchn. / von Almqvist
Entstehung
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Am erſten Tag nach meiner Ankunft in Gräſeholm

ging ich in den Garten und ſann darüber nach. Ich

ſpazierte einſam und von neuen, merkwürdigen Ge⸗ danken erfaßt, auf und nieder. Da fand ich, daß ich keine beſſere Richtſchnur für mein Verhalten hätte, als wenn ich Jahr um Jahr, ſo weit ich konnte, zurück⸗ dachte, wie Du ſelbſt, liebe Mutter, mich behandelt haſt. So dachte ich mich in Deine Lage und Konſtanze in die meinige. Ich ſah ein, daß ich Mutter ſei und doch iſt Konſtanze nicht mein Kind! Werde ich ſie genug lieben können, um ſie ſo zu führen, wie eine Mutter ſoll? Endlich erinnerte ich mich, daß ſie auch ihre eigene Mutter hat. Werden wir Beide wohl in dem Erziehungsplane übereinſtimmen. Ich weiß das nicht zum Voraus, aber ſie muß doch ihr Kind lieben? Dann wird ſie auch leicht meine Sorgen begreifen, und ich hoffe, wir gerathen in keine ſchwierige Strei⸗ tigkeiten mit einander. Aber warum erzieht ſie ihre Tochter nicht ſelbſt, wie Du es mit mir gethan haſt? Sie hat wohl keine Zeit ſie will nicht vielleicht kann ſie nicht. Was weiß ich? Konſtanze, die ſo reich iſt, daß ſie zwei Mütter hat ihre eigene und mich wie arm kommt ſie mir doch dabei vor! Denn ihre rechte Mutter verläßt ſie, will ſie nicht erziehen oder kann es nicht. Wie viel reicher war da ich, die nie mehr als Dich, meine einzige, gute, geliebte Mut⸗ ter hatte, die niemals eine Gouvernante ſah, nie ihre Gebete von einem andern Munde lernte, nie ihre Stu⸗ dien unter andern Augen machte, als denen, die ich ſo lieb hatte. Wie wird Konſtanze mich ſo lieben können, wie ich Dich liebte? Das iſt ja ganz un⸗ möglich.

Seit ich hier bin, hat mir meine Herrſchaft ein ausgeſuchtes, höchſt zuvorkommendes Wohlwollen be⸗ wieſen. Noch habe ich nichts bemerkt, das mich daran erinnerte, daß ich das bin, was ich eigentlich doch bin nämlich ein Domeſtik. Den erſten Tag ließ man

Amalia Hillner. 2