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— zwei gemeine Stadtſoldaten hatten ſie unter dem Arme. Ihre Arme waren nämlich durch die Armlöcher des Man⸗ tels geſteckt. Auch jetzt hatte ſie keine Handſchuhe. Sie ſchleppten ſie faſt mit ſich fort, denn ſie konnte kaum die Füße bewegen und der Kopf hing auf die eine Schulter hinab. Als ſie dicht bei mir war, ſo ſah ſie mich an. Das war ein Blick! mir ging er durch Mark und Bein. Aber da erhielt ich meine Kräfte wieder und ging zurück mit den Uebrigen, und ſagte ihr:„Sein Sie nicht ängſt⸗ lich, Mamſell! Ihnen wird nichts zu Leide geſchehen, Sie ſind ja unſchuldig!“ Da ſah ſie mich wieder an, als wollte ſie mir danken, daß ich ſie tröſtete. Die Unglück⸗ liche konnte nicht reden. Und den Stadtſoldaten ſagte ich: „Sehen denn die Herren nicht, daß die Mamſell krank iſt? Gehen Sie doch nicht ſo ſchnell mit ihr!“ denn ich wußte, daß man höflich gegen ſie ſein muß. Sie gingen auch wirklich langſamer.
Als wir aber auf die rothe Schleuſe kamen, ſo war dort ein ſolches Gedränge, daß ſie ſtehen bleiben mußten. Als ich nun dort ſtand und weinte, ſo kam ein Herr ge⸗ gangen und ſtellte ſich vor mich. Er hatte einen prächti⸗ gen blauen Pelz an und einen feinen Hut auf dem Kopfe. Ich habe ihn ſchon oft geſehen. Er hat ein ſchoͤnes Ge⸗ ſicht mit klugen Augen, gekräuſeltes Haar und dünne Lippen, und iſt Rector oder Lector, oder wie es heißt.*) Er fragte mich:
*) Wer das Portrait des Verfaſſers des erſten Theiles dieſes Buches, C. J. L. Almquiſt, der damals, als dieſe Erzählung geſchrieben wurde, Rector an der neuen Elementarſchule in Stockholm war, geſehen hat, und bedenkt, daß dieſe Fortſetzung zugleich eine Wiverlegung des erſten Theiles iſt, der wird den hier beſchriebenen Mann gewiß erkennen.
Anm. des Ueberſ.


