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Der Pilgerzug nach Mekka : morgenländische Sagen und Erzählungen / von F. W. Hackländer
Entstehung
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der junge Mann dem Andern noch einige Worte zugeflüſtert, glitt er raſch durch den Hof, ſchlüpfte durch den dunkeln Gang in die Halle und ſprang in ſeinen Nachen, den er alsdann mit kräftiger Hand, aber leiſe, dicht am Ufer den Strom hinabtrieb, und erſt eine gute Strecke unterhalb des Palaſtes in die Mitte des Fluſſes hineinfuhr, um die andere Seite zu gewinnen, wo er dann eilig hinaufruderte und oben an einem der Landungsplätze ſeinen Nachen befeſtigte.

Einen merkwürdigen Unterſchied boten in dieſer Nacht die beiden Enden der Stadt dar, die Waſſerſeite mit dem ruhig dahinfließenden Strom, in tiefe Nacht und Stille gehüllt, wie wir es eben zu be⸗ ſchreiben verſucht; die andere Seite der Stadt dagegen in der Rich⸗ tung des Kalifenthors war trotz der Nacht wegen der morgenden Ab⸗ reiſe der Pilger ungemein belebt. Dort waren alle Bazars erleuchtet und die Waſſer⸗, Citronen⸗ und Brodverkäufer auf den Straßen mach⸗ ten mit ihren Gefäſſen einen Lärm, als wie am Tage. Durch das Kalifenthor wogte eine Menge Volks aus und ein, Neugierige, um das Lager der Pilger zum letzten Mal zu ſehen, ſowie auch Geſchäfts⸗ leute mit langen Reihen Kameelen, die ſchwer bepackt waren. Wenn man auch vor den Thoren der Stadt keinen Weg zu dem Lager der Pilger gewußt hätte, ſo würde man in der heutigen Nacht doch nicht fehl gegangen ſein; denn der Widerſchein der Tauſende von Lampen und Lichtern, welche in und vor den Zelten brannten, ſowie der ver⸗ worrene Schall von menſchlichen Stimmen, welche Loblieder auf den Propheten brüllten, vermiſcht mit dem Raſſeln der Trommeln, dem gellenden Tone der Pfeifen und den Tönen der zweiſaitigen Violinen, gab ſowohl dem Ohr wie dem Auge deutlich die Richtung an, wo das Lager der Pilger zu finden ſei. Es lag in einem kleinen Thale, un⸗ gefähr eine Stunde von der Stadt, und die niedrigen Hügel, die es umgaben, waren bedeckt mit wilden Aloen, Palmen und Sikomoren, deren Blätter von dem Scheine der Feuer drunten geröthet, phantaſtiſch in ſeltſamen Gruppen auf das wilde Treiben der Pilger ſahen. Theils lagen dieſe in ihren Zelten und ſtärkten ſich durch einen unruhigen Schlaf für die Beſchwerden der Reiſe, theils aber ſaßen und ſtanden ſie in Gruppen zuſammen, tranken Scherbeth und Raki, Dattelbrannt⸗ wein, und lauſchten den Vorträgen der Mährchenerzähler, die heute Nacht beſchäftigt waren, das Lob frommer Pilger zu ſingen, und den Gläubigen zu verkünden, daß, je größer die Mühſeligkeiten hier auf Erden ſeien, je reicher ſie dafür jenſeits im Paradies belohnt werden