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Reden an Gebildete aus dem weiblichen Geschlechte / von Friedrich Ehrenberg
Entstehung
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Freuden des Daſeyns. Vergegenwaͤrtigen Sie ſich die Bilder der Menſchen, die ihr das Leben ge⸗ weiht hatten, in welchen durch ſie jeder Streit verſöhnt, der Geiſt erhöht, und das Herz herrlich gebildet worden iſt. Befreunden Sie ſich mit ihr durch fleißige Ubung ihrer Werke, und hüthen Sie ſich vor allem, was die Achtung für ſie ſchwächen, und das Gemüth entweihen kann. Vorzüglich wirkſam wird das Pflichtgefühl dann, wenn es in Selbſtachtung und in Ge⸗ fühl des eignen Wehrtes übergeht. Auch das Weib ſoll ſich ſelbſt achten, damit es vermei⸗ de, was ſeiner Würde entgegen iſt. Selbſtach⸗ tung iſt ſeiner Beſcheidenheit ſo wenig zuwider, daß dieſe vielmehr ohne jene nicht einmal Statt finden kann. Selbſtachtung hängt mit der Ach⸗ tung für Pflicht und Tugend zuſammen; denn das Geſetz derſelben wohnt im eignen Herzen. Wo aber Pflicht und Tugend in das Leben eingedrun⸗ gen ſind, da geben ſie das Gefühl des perſönli chen Wehrtes. Man kann ſich ſeines Wehrtes

bewußt ſeyn, ohne ſich deſſelben zu überheben,

ohne Stolz, Dünkel und Anmaßung. Still, an⸗

ſpruchslos, nicht einmal zur Deutlichkeit entwi⸗ ckelt, lebt das Gefühl des wahren Wehrtes in der Seele des guten Weibes, ſchutzend und ſtärkend,