2015
ſchon die Veraͤnderung in ſeinem Ausſehen bewirkte in Lilia ein ſolches Erſtaunen, ja faſt eine ſolche Erſchuͤt⸗ terung, daß ſie, den unerwarteten Anblick ſtier ins Auge faſſend, ſitzen blieb.
Ihre einzige Bewegung war, daß ſie, erbleichend, mit der Hand nach der Stirn fuhr.
„Du haſt wirklich,“ ſagte der Kammerrath, waͤh⸗ rend ſein Blick ſich mit durchbohrender Strenge auf ſie heftete,„Du haſt mich wirklich fuͤr etwas einfaͤltiger gebalten, als ich bin, wenn Du glauben konnteſt, daß ich, ein Mann von langjaͤhriger Erfahrung und ge⸗ wohnt, in die Winkel des Menſchenherzens zu blicken, mich von Deinem Heiligenſchein und der Comoͤdie, die Du aufgefuͤhrt, zum Beſten haben ließe.“
Die junge Frau war wie in Stein verwandelt.
„Von Natur habe ich einen friedlichen Charakter und ſanfte Gefuͤhle, aber ich bin auch zugleich ein Mann, der den Nutzen einſieht, ſich dieſer Eigenſchaf⸗ ten zu bedienen und Waffen daraus zu machen, wenn man es auf meine Eigenliebe abgeſehen hat.“
Lilia's Augen hefteten ſich mit immer groͤßerem Entſetzen auf den Mann, der zu ihr ſprach, aber nur hin und wieder ein Zucken in ihrem Geſicht verrieth, daß ſie anſing, zu dem Bewußtſein zu kommen, ſie habe getraͤumt— getraͤumt am hellen Tage.
„ Ich bin ſieben und vierzig Jahr alt, ein Alter, wo die Liebe uns noch ganz grauſam tyranniſiren kann


